Von Morgenkaffee, Mittagshitze und Abendzirpen

Ein ganz „normaler“ Tag auf der Oecofinca

Um halb sechs winselt die Hündin Alice, läuft herum und fängt dann an, am Mosquitonetz hochzuspringen. Bevor sie es zerkratzen kann schäle ich mich aus dem für mich fast zu kleinen Bett, ziehe meine Jeans und Wanderschuhe an und öffne die Baumstamm-Türverriegelung. Alice flitzt raus und auch ich geh schnell auf unser Plumpsklo. Dann laufe ich mit ihr durch den Morgentau zum Aussichtshaus und durch den Garten. Ich setze mich auf die Bank unter dem großen Nanciste-Baum.

Wassertropfen-Kino in der Morgensonne. Alice steigt auf meinen Schoß und schläft noch mal weiter. Colibris schwirren um die Bananenstauden. Ich atme die kühle Luft ein, stärke mich für den Tag und geh zurück zum Haus. Wie automatisch setze ich den Wassertopf auf den Gasherd und koche Kaffee, backe kleine Mais-Tortillas, decke unseren improvisierten Terrassentisch und stelle die Schaukelstühle raus. Während wir schaukeln und schlürfen rufen uns die Nachbarkinder zu, die gerade zur Schule gehen „Hallo Frau Martina, Hallo Herr Henry“.

Ich stelle Eimer mit Duschwasser zum aufwärmen in die Sonne, wasche unsere Wäsche auf dem Steinwaschbrett und hänge sie in der Sonne auf. Unser Mitarbeiter Luis kommt vorbei und bespricht mit uns die Dinge des Tages. Die frühen kühlen Morgenstunden nutzen wir um Pflanztüten für die Baumschule zu füllen, das Gras um die Obstbäume mit der Machete zu mähen und Erde für die Gemüsebeete zu schaufeln. Dann ziehen wir los und sammeln reife Zitronen und Avocados. Alice hat einen Riesenspass, die Hügel runterzurollen.

 

 

Wenn um halb elf die Mittagshitze beginnt, macht mein Körper nicht mehr mit. Wir kochen uns Reis und Bohnen und essen sie mit Kochbananen, Tomatenrührei und Guacamole. Auf der schattigen Terrasse dösen wir vor uns hin. Sobald es kühler wird habe ich wieder Kraft. Wir schaufeln den alten Komposthaufen um und gegen Abend säen wir Baumsamen und Rosenstecklinge in die Pflanztüten. Um halb sechs, bevor die Sonne untergeht beginne ich, Reis und Bohnen in der Pfanne anzubraten: Das nicaraguanische Nationalgericht Gallo Pinto – Bunter Hahn, was mit Mais-Tortillas und Sauerrahm gegessen wird.

Nach Sonnenuntergang trinken wir Fresco – Frisch gepressten Fruchtsaft und besprechen die nächsten Schritte auf der Oecofinca. Alice schläft auf meinem Schoß ein. Gegen halb neun räumen wir die Möbel ins Haus wickeln uns wieder in das Mosquitonetz. Mit Grillengesang, abgewechselt von Hundegebell und den Gesprächen der Nachbarn schlafen wir ein.

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Maria
    Okt 03, 2011 @ 13:55:37

    Hallo Martina,

    vielen Dank für den interessanten Blogartikel. Jetzt weiß ich wieder ein bisschen mehr über Deinen / Euren Tagesablauf in der weiten Ferne. Schade dass ich Euch dort wegen meiner MCS-Erkrankung niemals besuchen kann. 😦

    Umso mehr freue ich mich über den Einblick, den Du mir hier gewährst… 🙂

    Liebe Grüße,
    Maria

    Antwort

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